Einleitung

Um die Zuckerplantagen in den Kolonien in Westindien (Karibik) bewirtschaften zu können, wurde eine Unmenge an Arbeitern benötigt. Niemand, der in der Lage war, sein Geld auf andere Weise zu verdienen, wollte dort freiwillig arbeiten. Die Plantagenbesitzer griffen also darauf zurück, Arbeitskräfte aus Afrika zu ‚importieren‘.
Unter dem Begriff „atlantischer Dreieckshandel“ wird der Handel zwischen Europa, der westafrikanischen Küste und der Karibik verstanden, bei dem Versklavte als ‚Waren‘ auf eine Stufe mit Gütern wie Tuch, Perlen, Zucker und Rum gestellt werden.
In der Geschichtsschreibung wird nahezu alles getan, um von den schlechten Bedingungen auf den Plantagen und während des Transports der Versklavten und des daraus resultierenden Widerstands abzulenken. Dabei wird es zum Teil sogar so dargestellt, als seien die Versklavten froh, auf den Plantagen arbeiten zu dürfen. Dass dies nicht wirklich der Fall war, wird in den zahlreichen Versuchen der Versklavten, Widerstand gegen ihre Unterdrückung zu leisten, sichtbar.

Widerstand auf See

Die schlechte Behandlung der Versklavten beginnt nicht erst auf den Plantagen, sondern bereits vor und während der Fahrt über den atlantischen Ozean. Unter den Kapitänen der ‚Sklavenschiffe‘ setzt ein Meinungsstreit ein, in welchem Verhältnis die Anzahl der transportierten Menschen zur Größe des Schiffes stehen sollte. Die loose-packers vertreten die Meinung, wenn man den Personen unter Deck mehr Raum gebe, senke dies die Todesrate unter ihnen. Die tight-packers dagegen füllen jeden verfügbaren Raum und argumentieren, die Todesrate sei zwar eventuell höher, die Nettobeträge einer großen ‚Ladung‘ jedoch auch. Die Lebensbedingungen der Passagiere sind dabei nicht von Interesse, sondern ausschließlich der Gewinn. Da mit der Methode der tight-packers in der Regel ein höherer Gewinn erzielt wird, ist diese für viele Jahre nach 1750 die bevorzugte Variante. In den Bauch der Schiffe werden weitere Böden eingebaut, um mehr Personen unterbringen zu können. Das führt dazu, dass sie für mehrere Monate nicht einmal aufrecht sitzen können. Die schlechte Belüftung unter Deck, die fehlende Möglichkeit zur Bewegung und die katastrophalen hygienischen Verhältnisse treiben die Todesrate während der Überfahrt drastisch in die Höhe.

Um ihrem Schicksal zu entgehen, unternehmen die Versklavten immer wieder Versuche, eine Meuterei anzuzetteln. Wenn diese Versuche wegen der gut bewaffneten Schiffsbesatzung unerfolgreich bleiben, verweigern sie das Essen. Dem alten afrikanischen Glauben nach kehrt man nach seinem Tod in seine Heimat zurück. Um die Versklavten zum Essen zu zwingen, wurden eigene Gerätschaften konstruiert, mit denen ihnen der Mund geöffnet werden sollte.
Trommeln und singen

Die Plantagenbesitzer sahen es gern, wenn die Versklavten tanzten und sangen, denn sie dachten, es sei Ausdruck ihrer Glücklichkeit. Diese Annahme ist jedoch falsch, denn die Versklavten sangen nicht, weil sie glücklich waren, sondern um es zu werden. Lieder waren eine der begrenzen Möglichkeiten, ihre Unzufriedenheit auszudrücken. Es gibt dabei eine ganze Reihe von Themen, die in Liedern angesprochen werden können, nicht aber im normalen Gespräch: Lieder, die sich über das Verhalten von Personen beschweren, Lieder, die Menschen lächerlich machen und solche, die gegen das Unrecht protestieren.

Der afrikanische Gesang ist häufig von Trommeln unterlegt. Es gibt sogar die Möglichkeit, sich nur durch das Schlagen einer Trommel zu unterhalten. Dabei wird mit der Tonhöhe der vokalreichen afrikanischen Sprachen gearbeitet. In größeren Städten wurde deshalb zu manchen Zeiten das Trommeln verboten, da man befürchtete, die Versklavten könnten sich im Geheimen über einen Aufstand verständigen.
Flucht

Die am häufigsten praktizierte Methode des Widerstands ist wohl die Flucht. Das spanische Wort cimarrón wird in den Kolonien (in Abwandlungen in anderen Sprachen) für einen geflohenen Versklavten benutzt. Das Wort wird abgeleitete von dem spanischen cima (Berg), weil die Geflohenen sich häufig in den umliegenden Bergen verstecken. Während manche Geflohenen es vorziehen, allein in den Bergen umherzuziehen und sich in der Natur zu verstecken, gibt es auch cimarrónes, die sich in Gruppen zusammenschließen. Dabei kommt es vor, dass sie ganze Lager errichten, die als palenque bezeichnet werden. Diese palenques werden an hohen, schlecht erreichbaren Orten aufgeschlagen, damit sie nicht so einfach von den ‚Weißen‘ eingenommen werden können. Es gelingt ihnen sogar, Bodenkulturen zu errichten und sich von dem Angebauten zu ernähren. Versklavte in diesem Zustand der Rebellion werden apalencados genannt.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts nimmt diese Form der Rebellion immer weiter zu und das Land ist übersäht von kleinen (gut versteckten) Siedlungen. Einige der palenques nehmen unter guten geografischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen eine beachtliche Größe an. Diese Dörfer führen zum Teil über Jahre hinweg einen Guerillakrieg gegen die Spanierm die sie zurück auf die Plantagen holen wollen. Eine dieser Siedlungen in Neu-Spanien bekommt sogar den Status einer freien Stadt mit dem Namen „San Lorenzo de los Negros“, auch wenn diese Stadt heute auf keiner Landkarte zu finden ist

Sehr schöner Beitrag! 🙂
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